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"Coworking" in Theorie und Praxis

Coworking als Theorie und auch als Praxis, erstes fand bei einem Infoabend am 11.06. statt, gefolgt von einem Praxistag am 24.06. im IT-Speicher.

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Am Theorieabend gab es Informationen von Frau Schöntag, Wirtschaftsförderung der Stadt Regensburg, Herrn Jürgen Enninger, Regionalleiter Büros der Kreativwirtschaft in Bayern und den drei Verantwortlichen des Regensburger Coworkings: Daniel Schellhorn, Ruth Mößmer und Hans Reiner.

Zusammen arbeiten, so würde die deutsche Bezeichnung lauten. Was steckt hinter dieser amerikanischen Idee? Noch vor 50 Jahren war die Arbeitswelt relativ klar definiert: Männer waren die Versorger und gingen zumeist in eine Fabrik oder in ein Bürogebäude. Frauen waren ab Familiengründung daheim als Hausfrau. Es gab noch einige Berufsarten, wie z. B. Ärzte oder auch Handwerker, die in einer Praxis oder in einer Werkstatt tätig waren. Und heute? Immer mehr Arbeitsplätze wurden in den privaten Raum verlagert. Alleine ca. 244.000 Freiberufler, die z. B. als Coach, Webdesigner oder Musiklehrer ihr Büro daheim haben. Daneben gibt es noch eine Vielzahl an Homeoffice-Beschäftigten, etliche im IT und Marketing Bereich. Und die stark angestiegene Zahl der Selbstständigen (im Jahre 2009 waren es 4,2 Millionen). Wie Jürgen Enninger erzählte, gehört die Kreativ- und Kulturwirtschaft, um die er sich kümmert, zu den stärksten Wirtschaftsbranchen in Deutschland mit einer Bruttowertschöpfung von knapp 62 Milliarden Euro im Jahre 2011. Der Anteil an der Gesamtleistung der BRD liegt bei ca. 2,4% und ist vergleichbar mit Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie.

All diese Leistungserbringer der unterschiedlichsten Branchen arbeiten heute sehr oft allein. Natürlich sind sie im Kontakt mit Kunden, aber der Austausch mit Kollegen fehlt. Nicht nur, dass einem manchmal die Decke auf den Kopf fällt, nein, Menschen, die sich austauschen, werden auch kreativer. Austausch, dies ist die Hauptidee beim coworking. In einer Bürogemeinschaft gibt es viele verschiedene Fähigkeiten. Während die einen im kommunikativen Bereich stark sind, haben andere technische oder künstlerische Talente. Man kann den anderen um Hilfe fragen, etwa: Wie kann ich diese Datei in ein anderes Format umwandeln oder wie kann ich den Drucker auf A5 einstellen, wie übersetzt man „das Wetter ist gerade sehr bescheiden“ ins englische, bzw. wie entwickle ich ein Firmenlogo? Darüber hinaus entstehen Synergien, wenn ein Coworker zum anderen sagt: Du, ich habe da einen Kunden der hat Probleme mit seiner Homepage. Kannst Du helfen? Oder: Ich möchte einen wichtigen Geschäftspartner mit Frau zu einem Event mit anschließendem Essen einladen. Da könnten Deine Liebesgeschichten von Regensburg doch passen?

201306 coworking juttaCoworker teilen sich Büroräume und Kosten. Dabei gibt es einen größeren Arbeitsraum, einige kleine Büros, einen Besprechungsraum, der von allen genutzt werden kann, auch für Kundengespräche. Natürlich auch Küche und sanitäre Einrichtungen. Man entscheidet, wie oft man den Raum (im Jargon ist dies der Coworking-space) nutzen will, einmal, zweimal dreimal pro Woche, je nachdem fallen die Kosten an. Die Zahl der Interessenten steigt, so dass eine Entscheidung für eine Immobilie derzeit vorrangig diskutiert wird. Die Vertreter der Regensburger Vereinigung haben schon ca. 15 Gebäude besichtigt und leider auch wieder aussortiert: entweder zu teuer, zu groß, zu klein oder nicht in Innenstadtlage. Ein Bürokomplex in der Maximilianstraße ist derzeit stark im Gespräch. Alle wünschen sich, dass die Räumlichkeiten bald gefunden werden, aber man will nichts überstürzen. Schließlich hängt enorm viel von der Immobilienwahl ab.

Das coworking Regensburg-Team hat sich in den letzten Monaten neu aufgestellt, hierzu gehören Daniel Schellhorn, Inhaber der Firma media21, die Unternehmens- und Persönlichkeitsberaterin Ruth Mößmer und der selbstständige Ingenieur Hans Reiner. Neben Informationsabenden, Probearbeitsterminen und Immobilienbesichtigungen wurde auch ein Business Plan erstellt, der notwendig ist um Fördergelder zu beantragen. Und auch hier tut sich was: Die Wirtschaftsförderung in Regensburg steht hinter der Idee des coworkens. Zwar fehlt noch eine schriftliche Zusage, aber mündlich wurden für den coworking space ca. 60.000€ Wirtschaftförderung für die nächsten drei Jahre in Aussicht gestellt.

201306 coworking vortragZugegeben die vielen Anglizismen sind anfangs ungewohnt. Das worken in einem space zusammen mit anderen coworkern, begleitet von workshops und meet-ups, all das erinnerte mich doch etwas an Raumschiff Enterprise. Aber man gewöhnt sich schnell daran und hat Spaß am gemeinsamen Büro und Schaffen.

Fazit: Coworking hat Zukunft und enorm viel Potential! Wer offen ist für Neues und genügend Toleranz für die Arbeitsweisen und Bedürfnisse Anderer hat, kann enorm davon profitieren!

Wer mehr wissen will geht auf: www.coworking-regensburg.de.

Die nächsten Termine zum Probearbeiten sind am 23.07., 03.09. und 22.10.

Eine Anmeldung wäre schön, es geht aber auch ohne. Schließlich ist man im coworking aufgeschlossen und spontan!

Originalartikel im Osterbayern-Kurier (Juli 2013)